December 23, 2015

Operation "Anna"

Am 5. Dezember war es endlich soweit – mein Reiserad "Anna" von Tom Walther stand vor der Tür – und das wörtlich. Der Zusteller von DHL hat es einfach dort abgestellt, obwohl niemand zuhause war. An sich ist das schon dreist genug, es dann noch – nach Anfrage beim Kundenservice – als "Briefkastenzustellung" zu deklarieren, schlug dem Fass jedoch den Boden aus, vor allem bei einem Zustellpreis von 38(!) Euro.

Eigentlich wollte ich mir das Spinnrad ja unter den Weihnachtsbaum stellen, habe es aber trotzdem ausgepackt, um zu sehen ob alles komplett ist. Hat auch alles gut gepasst. 

Aber.

Ich habe ja das Rad vor 31 Monaten bestellt, was ansich schon ziemlich wahnsinnig ist – auf Walthers Webseite wird immer noch von "über 24 Monaten" Wartezeit gesprochen. Und wenn man dann über mehrere Ecken erfährt, dass es Kunden gibt, die ihr Spinnrad schon nach etwa 16 Monaten bekommen haben, weils grade von der Produktion her passte, bleibt schon ein etwas schaler Nachgeschmack zurück. Aber sei’s drum.

Was mich wesentlich mehr gestört hatte war, dass das Rad nicht so ausgeführt wurde, wie es bestellt war. Ursprünglich war die Anna in Bunt mit einem Holm, dem Fußteil und den Flyern in Sapeli ausgestattet. Inzwischen wurde das Design soweit verändert, dass nur noch der Holm aus Sapeli ist, die Tritte und Trittführschienen aus Ahorn und die Basis, die Knechte und Flügel aus Multiplex-Furnierplatten (Dass die Wirtel, Spulen und das Schwungrad aus Multiplex sind stand sowieso nie zur Debatte). Ich habe dann gleich am 5. Dezember reklamiert da auf der Webseite immer noch angegeben war, dass alle Teile der Anna bis auf oben genannte, aus Vollholz seien. Am 7. Dezember war dann diese Passage auf der Webseite geändert.

Wer also eine bunte Anna bestellt hat sollte genau definieren, welche (möglichen) Teile er in Sapeli haben möchte, da es ansonsten evtl. zu einer falschen Erwartungshaltung was die optische Gestaltung des Rades betrifft kommen könnte. Was die Technik betrifft ist das Rad absolut genial konstruiert und läuft wie Butter. Ich geh dann mal weiterspinnen …

Anna vor dem Umbau

Anna nach dem Umbau.

Ich habe mich dann mit Walthers geeinigt, dass ich neue Tritte in Sapeli zur Selbstmontage sowie neue Flyer in Sapeli bekomme. Diese sind gestern eingetroffen und ich habe mich gleich daran gemacht, sie zu montieren. Wer also mal neue Tritte zur Selbsmontage bestellen will weil die Alten schon durchgelaufen sind *G* der kann sich mit dieser Anleitung behelfen.

Die Standardflyer. Man beachte die optische Fehlstelle des Multiplex
beim linken Flyer. Das ist wie die Nudel von Loriot.
Die Sapeli-Flyer. Inzwischen auch CNC-gefräst.
Die neuen Tritte kamen mit 2 abgemessenen PUR-Stücken
sowie bereits angeschraubten Scharnieren an.
Zuerst die Schrauben der Tritt-Knecht-Verbindung lösen und die
PUR_Verbindungen entfernen Achtung: Die obere Schraube
am Knecht ist kürzer als die untere am Tritt.
Danach die große Schraube am Holm lösen und den Holm vom Fußteil
abnehmen und beiseitelegen. Jetzt kann man die Tritte komplett
hochklappen und die Schrauben an der Spinnradbasis
(pro Tritt 4 Stück) lösen. Dann montiert man die neuen Tritte.
Die Tritte hinunterklappen und den Holm wieder anschrauben.
Dann die neuen PUR-Verbinder erst an den Knechten anschrauben,
 in das Loch in den Tritten schieben und ebenfalls verschrauben.
Der Abstand zwischen Knecht und Tritt sollte18-20 mm
betragen, der Abstand zwischen Tritt und Basis 50 mm.

November 19, 2015

Quiltspinnpause

In der letzten Zeit habe ich etwas weniger gesponnen, da ich eine Bestellung einer ganz lieben Kollegin abgearbeitet habe. Sie wird im Dezember Oma und hat bei mir einen Babyquilt für den Bauchzwerg bestellt. Die Stoffe habe ich in England bei plushaddict gekauft.  Verarbeitet habe ich "Forest Friends" und "Linea Textura" von Makower, Kona "Spring" und Kona "Wheat" und für die Rückseite "Scrolls Cream Extra Wide" von Nutex.

Der Quilt hat eine Größe von 150 x 150 cm.
Der ganze Quilt.
Er ist digital entzerrt, deshalb die etwas "schiefen" Kanten.

Ausschnitt des Tops.


November 17, 2015

Spindelupdates

In den letzten Wochen habe ich vermehrt auf Ravelry in der Gruppe "Spindle Candy" zugeschlagen und einige schöne Spindeln 2nd Hand erworben. Besonders gefreut habe ich mich zwei russische Spindeln von The Spanish Peacock, in den letzten Tagen ist auch noch eine Tibetische dazu gekommen, die aber noch auf der Reise ist. Als ich begonnen habe, supported zu spinnen dachte ich "das wird nie funktionieren", aber inzwischen funktioniert es sehr gut, wenngleich ich immer noch Probleme mit dem langen Auszug habe. Meist spinne ich eine Zwischenform, je nachdem wie sich die Fasern verhalten.

Fotos wird es demnächst mal geben, wenn die Spindeln wieder leer sind (ich muss dringend wieder zwirnen …)

November 03, 2015

Countdown

Die Wartezeit auf meine Anna von Tom Walther geht in die letzte Runde. Gestern bekam ich die E-Mail dass Annas gebaut werden und meine dabei sein wird. Nur zur Erinnerung: Bestellt habe ich meine Anna am 17. April 2013. Das heißt, 30 Monate Wartezeit. Ich bin ja schon gespannt ob es das hält was es verspricht und die lange Wartezeit wert ist.

Als Alternative gäbe es da noch das Reiserad von Schwarzenstein, welche aber laut deren Webseite nicht nach Österreich verschickt wird. Aber so eines wäre für mich sowieso nicht in Frage gekommen, weil mir das Rad von der Optik so gar nicht gefällt.

September 20, 2015

Das Lied von Feuer und Stahl

Dieses Wochenende habe ich nicht gesponnen und mich mit weichem, flauschigen Material beschäftigt, sondern endlich den Messermacherkurs, den mir Gregor letztes Jahr geschenkt hat, eingelöst. Hat ein wenig gedauert, aber was lange währt, wird endlich gut.

Der Kurs ging über zwei Tage (Freitag/Samstag) in der Werkstatt von Messermacher Richard Kapeller, der für seine hochwertigen und eleganten Messer bekannt ist. Er wurde schon mehrfach vom Messermagazin ausgezeichnet.
Wir waren insgesamt 11 Teilnehmer (davon 3 Frauen) und zwei Kursleiter (Richard Kapeller und sein Mitarbeiter Christoph Turner). Ich war die Einzige, die ein Küchenmesser wollte, alle anderen haben sich kleine Gebrauchs- und Jagdmesser gefertigt. Nicht nur dass ich an diesem Wochenende ein wunderbares Messer gemacht habe, hat mir der Kurs auch einige Tricks und Kniffe beigebracht, die ich auch bei meinen Holzarbeiten gut gebrauchen kann.

Wer ebenfalls einen Kurs besuchen oder verschenken möchte, kann sich unter www.messermacher.at genauer informieren.


Anzeichnen der Grundform auf dem Stahlrohling

Messerrohling mit der Bandsäge grob ausgeschnitten.
Rohling ausgeschliffen. Jetzt werden Löcher für die Griffschalen gebohrt.

Griffschalen ausgesucht. Ich habe mich für Wasserbüffelhorn entschieden.

Klinge vorgeschliffen. Das macht Richard für die Kursteilnehmer.
In meine Klinge kamen noch weitere Löcher, a) für die bessere
Haltbarkeit der Horngriffe und b) um Gewicht wegzunehmen.

Griffschalen vorgebohrt. Ende vom 1. Tag.
Der Messerrohling kam dann zum Härten in den Ofen.

Am nächsten Tag wurde der Rohling geätzt. Erst jetzt sieht man die
wunderbaren Muster des Wellendamasts. Nach dem Ätzbad war der Stahl
kupferfarben rötlich(ersichtlich rechts am Griff).
Jetzt mußte ich die Klinge mit 2400er Schleifpapier solange schleifen,
bis die rötliche Schicht abgetragen war.

Weiter ging es mit de Verkleben und vernieten der Griffschalen ...

... die ich dann nach dem Aushärten grob vorgeschliffen habe.

Nach dem Abrunden des Griffes hieß es: schleifen, schleifen, schleifen.
Und zwar solange bis weder auf Griff noch auf den Metallkanten der
kleinste Kratzer zu sehen war. Das kann schon mal zwei Stunden dauern.
Danach wurde der Griff auf Hochglanz poliert.

Zuletzt wurde die Messerklinge scharf geschliffen
Fertig ist mein Traum-Santoku.


September 03, 2015

Stark verwurzelt, weit verzweigt …

… ist der Titel des Bauernkalenders 2016. Diesmal war ich nicht nur wieder für Satz und Gestaltung verantwortlich, sondern habe auch einen redaktionellen Beitrag zum Thema Handspinnen verfasst. Daneben gibt es natürlich wie jedes Jahr ein buntes Potpourri aus den unterschiedlichsten Bereichen, unter anderem:

Die wildschönen Waldblumen  Eckhard Nussmüller
Aufgeschlossen – das weite Netz der Güterwege – Theresia Oblasser
Unsere Hausbäume – Bäume mit Tradition – Stephanie Hauser
Wurzeln und Gras – Schutz für die Almen – Josef Reichholf
Entwicklungen und Perspektiven für den Biolandbau – Gerhard Poschacher

und vieles andere mehr.

Salzburger Bauernkalender 2016


August 30, 2015

Färberpflanzen: Waid

Gestern habe ich meinen Färberwaid (Isatis tinctoria) geerntet. Da von den etwa 20 Pflanzen die ich im Frühling vorgezogen hatte, nur drei den Angriff der Nacktschnecken überlebt hatten, war die Ausbeute eher mager. Ich habe die Blätter nicht von der Wurzel gestochen wie früher üblich, sondern einfach abgeschnitten. Vielleicht schaffe ich bis Ende September, Anfang Oktober noch eine zweite Ernte.

Da ich nicht gleich färben und sowieso das Verfahren der Waidkugeln austesten wollte, habe ich die Erde von den Waidblättern abgewaschen und sie danach in etwa 3 cm lange Stücke geschnitten. Danach kamen die Blätter in den Mörser und wurden zu „Waidpesto“ verarbeitet. Da der Waid sehr faserig ist, ging das relativ schwierig. Man sollte aber davon absehen, die Blätter einfach in die Küchenmaschine zu packen da dadurch die Fasern zu kurz gehackt werden und dann die Waidkugel nicht mehr zusammenhält. Ich habe den Granitmörser benutzt da ich in der Wohnung keine andere Möglichkeit habe. Da der Stein weder Inhaltsstoffe noch Gerüche annimmt ist er für diesen Zweck gut geeignet.

Danach habe ich die Waidpampe in einen alten Nylonvorhang gepackt und in einem Sieb den grünen Pflanzensaft ablaufen lassen. Noch besser geht es, wenn man das Nylontuch ganz fest auspresst, ähnlich wie man den Stärkesaft aus geraspelten Kartoffeln presst wenn man rohe Knödel macht. Es soll möglichst viel des chlorophyllhaltigen Saftes aus dem Waid gepresst werden. Danach nimmt man die Kugel und drückt sie noch fest in Form. Jetzt muß sie an einem luftigen Ort trocken. Im Moment liegt sie noch im Schatten auf meinem Balkon. Ich presse sie von Zeit zu Zeit zusammen, weil sich durch das Trocknen Risse bilden können und durch das neuerliche Pressen die Feuchtigkeit von innen nach außen gelangt. Sie muss gut durchtrocknen damit sie nicht beginnt zu schimmeln.

Die gewaschenen Waidblätter …

… werden grob vorgeschnitten …

… möglichst fein zermörsert …

… in ein altes Tuch gegeben …

… sehr fest ausgepresst …

… und zur Waidkugel geformt.

August 27, 2015

Jenkins Nr. 4: Finch

Wieder ist meine Jenkins-Sammlung um eine Spindel gewachsen. Diesmal hatte ich das Glück, eine Finch zu erwischen. Die Finch ist etwas größer als die Kuchulu und vom Formfaktor her in der Reihe der Aegan angesiedelt (Finch – Aegan – Egret). Sie ist trotzdem leichter als die Kuchulu, was aber auch am verwendeten Holz liegt. Die Arme sind nicht so stark gebogen wie bei den Spindeln der anderen Reihe (Kuchulu – Delight – Lark/Jay – Swan). Ich finde die Spindeln mit den geraderen Armen lassen sich besser Spinnen als wenn sie stärker gebogen sind. Aber das ist warscheinlich Geschmackssache. Ich werde mir deshalb keine Delight und Swan zulegen sondern mir nur noch eine Egret kaufen.

Modell: Finch (Nr. F165/2015)
Holz: Bolivian Rosewood (Morado)
Spannweite: 84 mm
Gewicht: 0.35 oz, 10 g


August 23, 2015

Fields of Gold

Die letzten paar Wochen habe ich – bedingt durch die große Hitze – nicht sehr viel gesponnen. Zur Zeit arbeite ich gerade an einem Regenbogen-Kammzug, der ein Fraktalgarn werden soll. Die erste Hälfte ist geschafft, die zweite Hälfte fange ich gerade an. Fotos vom fertigen Garn gibt es dann etwas später, der Spinnprozess an sich ist ja nicht so spannend.

Viel interessanter war mein Färbeausflug dieses Wochenende. Ganz in meiner Nähe ist ein Brachgrundstück (eine „G’stätten“ wie man es auch hierzulande nennt), auf der sich Massen von Kanadischer Goldrute ausgebreitet haben. Und da man ja Neophyten sowieso eindämmen sollte, bin ich am Samstag mit Ikea-Tüte und Schere dort einmal durchgelaufen und habe geerntet.

Da das Ganze außerdem an dem einen Wochenende zu erledigen war, mußte ich meine Fasern und Stoffe auch noch Beizen. Da ich alle nötigen Inhaltsstoffe zuhause hatte, habe ich mich diesmal an die Kaltbeize nach J. Harboth gewagt, was für Seide ja sowieso besser ist als eine reine Alaunbeize die heiß anzuwenden ist. Ich habe dann neben einigen Stücken Baumwolle und Leinenresten zum probieren etwas Finnwolle, Rosenfaser, Tussahseide und Milchseide über Nacht gebeizt.

Gleichzeitig habe ich die Goldrutenblüten grob gehackt und in etwa 10 L Wasser über Nacht vorgeweicht. Am nächsten Morgen kamen sie in den Einkochtopf und wurden 2 Stunden lang ausgekocht. Währenddessen habe ich meine Fasern und Stoffe der Beize entnommen, gespült und ausgedrückt bereitgestellt.

Nachdem die Flotte fertig gekocht war, habe ich die Pflanzenteile entfernt (ich koche das Zeug immer in einem alten Nylonsack, genäht aus einem Vorhang), mit etwas Regenwasser aufgefüllt und gewartet bis die Flotte nicht heißer als 50 °C war. Dann kamen die ausgedrückten Fasern in die Flotte und wurden eine Stunde bei gleichbleibender Temperatur gefärbt. Danach habe ich sie in ebenfalls warmes Wasser dem ich einen guten Schuss Essig beigegeben habe, gespült und dort abkühlen lassen.

Die Finnwolle war eher enttäuschend, die Rosenfaser erwartungsgemäß (da ja pflanzlich) eher schwach in der Färbung. Die Tussahseide  wurde richtig schön zitronengelb und die Milchseide hat die Farbe am besten aufgenommen und bekam ein schönes sattes hellgelb.

Als zweiten Zug habe ich einige Stücke Baumwolle und ein paar Teststreifen Leinen in die Flotte gegeben und diese eine Stunde bei 100 °C gekocht. Danach habe ich diese ebenfalls in Essigwasser gespült.

Als Test habe ich dann noch ein wenig Eisensulfat in die Flotte gegeben und ein Stück Baumwolle, auf dem ich vor zwei Wochen meinen ersten Ecoprint versucht habe (noch mit reiner Alaunbeize), nachbehandelt. Es hat stark nachgedunkelt und die zuvor relativ blassen Blattabdrücke kamen schön zum Vorschein. Zwei der Leinenstücke habe ich ebenfalls noch in die Eisensulfatflotte gegeben, diese dunkelten ab wobei das zarte Gelb mehr in Richtung zarte Olivgrün nachentwickelte.

Demnächst werden wieder Schilfblüten gesammelt. Diese hatte ich schon vor etwa zwei Jahren zum Färben verwenden und wenn auch die Flotte nicht danach aussieht, erhalten die damit gefärbten Fasern ein helles, zartes Grün.

Von links nach rechts :
Finnische Wolle, Rosenfaser, Tussahseide, Milchseide

Von links nach rechts:
Baumwolle weiß, Baumwolle natur überfärbter zu blasser Ecoprint,
Baumwolle natur abgebunden und mit Eisensulfat nachbehandelt,
Ecoprint mit Eisensulfat nachbehandelt.

July 14, 2015

Schauspinnen im Freilichtmuseum II

Am Sonntag war wieder der große Handwerkstag im Freilichtmuseum Großgmain (Siehe hier). Das Wetter war perfekt für einen Ausflug und so waren auch viele interessierte Besucher auf dem Areal des Museums, um sich diverse alte Handwerke anzusehen.

Ganz besonders habe ich mich gefreut, dass Susi/Heather mich besucht hat. Wir haben viel geplaudert und sie hat auch gleich mit Monika mitgesponnen. Ich hatte auch einige Handspindeln dabei um zu zeigen, wie das Spinnen vor der Erfindung des Spinnrades ausgesehen hat, und natürlich kamen von den Kindern auch wieder die Fragen, wo sich Dornröschen denn gestochen hätte. Die Kids waren interessiert und großteils auch sehr brav, das Befummeln der diversen Faserproben die ich noch aufgestellt hatte hat ihnen wie den Erwachsenen gleichfalls Spaß gemacht. Alles in allem war es wieder ein schöner Tag, um den Menschen dieses alte Handwerk näher zu bringen.

Der Aufbau meiner Räder im Bauernbergerhof. Monikas erster Auftritt.

Faserproben von Edelfasern, Seide und Regeneratfasern

Handspindelausstellung.

July 08, 2015

Ein Spinnrad geht auf Reisen ...

Angefangen hat die ganze Geschichte beim letzten Spinntreffen in Fieberbrunn im Mai. Dort war auch wieder Wolkenschaf und die hatte diesmal auch ihr Humanus-Spinnrad dabei. Ich habe das Rad schon mehrmals auf Fotos im Internet gesehen, unter anderem in der Spinnrad-Galerie von Handspinnen.de. Und das Rad gefiel mir von der Optik schon immer recht gut. Allerdings war ich etwas skeptisch, da ich bisher mit flügelgebremsten Rädern (Marke Delft) nicht so die guten Erfahrungen gemacht hatte, was das Einzugsverhalten betraf. Natürlich habe ich die Gelegenheit wahrgenommen und das Humanusrad probegesponnen. Und was will man sagen, es ging wirklich gut. Der Einzug lässt sich nicht nur über einen sehr schlauen Klemm-Mechanismus sehr fein einstellen, sondern es lässt sich auch die Spannung des Antriebsriemens über den verstellbaren Spinnkopf regeln.

Jetzt hat die Sache mit den Humanus-Rädern einen kleinen Haken. Die Räder wurden vom Humanushaus in Breitenwiel, Schweiz hergestellt. Die Betonung liegt auf wurden, heute sind diese Räder neu nicht mehr zu bekommen, und viele gibt es auch nicht davon. Und die wenigen die Verfügbar sind, werden zu sehr hohen Sammlerpreisen gehandelt (oder es wird zumindestens versucht ...)

Da Wolkenschaf in Vorarlberg lebt, meinte sie ich solle mich bei einem bekannten Schweizer Kleinanzeigenportal umsehen und sie würde es mir auch abholen. Prompt gab es ein Rad in Chur, nur dass wir die Verkäuferin nicht kontaktieren konnten weil wir als Österreicher dort ausgesperrt waren. Ein zweites Rad war ebenfalls gelistet, allerdings zu oben genanntem Sammlerpreis. Gut, ich dachte mir macht nichts, kommt Zeit, kommt Rad. Vor kurzem habe ich dann wieder einmal die Google Bildersuche bemüht, einfach um ein wenig zu sabbern was das Rad betrifft. Und da sah ich dasselbe Foto wie bei Ricardo, aber auf einem anderen Portal. Auch die Adresse war dieselbe, Chur. Wieder Wolkenschaf kontaktiert, und kurz darauf kam eine Message durch "wir haben das Rad!". Ich rief sie dann tags darauf an, nur um festzustellen dass sie schon auf dem Weg war, um das Rad abzuholen. Und dass der Name des Rades Monika sei ...

Wieder ein paar Tage später kam die Nachricht, ein paar Salzburger wären bei Wolkenschaf zu einem Kurs und ob sie das Rad mitschicken solle? So kam es, dass Monika eine Luxusbusreise nach Salzburg spendiert bekam ...

Am Dienstag war es dann soweit, ich durfte Monika in Empfang nehmen Mit insgesamt drei Spulen, einem kleinen Säckchen mit Orignal-Anleitung vom Humanushaus, Ersatzteilen, Einzugshaken und sogar noch etwas gesponnener Wolle auf der Spule. Natürlich wurde sie gleich den vorhandenen Herdenmitgliedern vorgestellt und angesponnen :-)

Monika beim Einladen in Chur. Foto: Wolkenschaf

Lass dir niemals den Namen der Freundin tätowieren ... Foto: Wolkenschaf

Luxustransport im klimatisieren Bus nach Salzburg. Foto: Wolkenschaf

Eingetroffen und angesponnen.

July 03, 2015

Schauspinnen im Freilichtmuseum Großgmain

Letztes Jahr war ich zum ersten Mal im Freilichtmuseum Großgmain am Handwerkstag dabei, um den Museumsbesuchern das Handspinnen von Wolle näherzubringen.

Am Sonntag, dem 12. Juli 2015 ist es wiede soweit: über 100 Handwerker aus Österreich und dem benachbarten Bayern zeigen im Freilichtmuseum alte, kaum mehr ausgeübte Handwerke, viele aus dem bäuerlichen Umfeld. Ich werde mit meinem Spinnrad wieder im Bauernbergerhof sein und auch das Spinnen mit der Handspindel demonstrieren. Ich freue mich schon auf die zahlreichen interessierten Besucher!


May 05, 2015

Handspindeln: Jenkins Woodworking

Letzte Woche kam meine Jenkins Nr. 3 an. Nach der Kuchulu und der Lark/Jay habe ich es endlich geschafft, eine Aegan zu ergattern. Die Aegan hat im Gegensatz zu den oben genannten Spindeln dünnere Flügel und die hellen Modelle werden von Ed Jenkins mit einer kleinen, aber feinen Brandmalerei verziert. Bei mir fliegen ein paar Pusteblumen herum. Sie liegt vom Gewicht her zwischen der Lark (25 g) und der Kuchulu (11 g) und spinnt sich sehr sehr gut.
Webseite: http://yarntools.com

Modell: Aegan (Nr. A57/2015)
Holz: Quilted Bigleaf Maple (Riegelahorn)
Schaft: Kirsche (?)
Spannweite: folgt
Gewicht: 0.56 oz, 16 g


May 03, 2015

Lazy Kate aufgehübscht

Mit meiner Matthes-Bestellung kam ja auch eine Spindle-Lazy Kate an, die ich mir in Natur bestellt hatte (Matthes bieten auch Brandmalerei an). Ich wollte sie selbst verzieren da mir eine etwas aufwändigere Gestaltung vorschwebte. Den gestrigen Regentag habe ich genutzt, um meine Entwürfe umzusetzen und dann mittels Brenngerät aufs Holz zu verewigen.

Brandmalerei habe ich schon in den 90er-Jahren gemacht, allerdings ist erst seit kurzem durch diverse Artworks die ich auf Pinterest gesehen habe, wieder mein Interesse „aufgeflammt“. Die Lazy Kate ist aus Buchenholz, welches sehr hart ist was sich auf die Geschwindigkeit mit der ich brennen kann auswirkt. Das Gerät wird zwar höllisch heiß, aber eben nur punktuell. Um also Flächen zu arbeiten muss man sehr geduldig sein.

Mein Thema war – passend zum Zweck der Lazy Kate – die Nornen, die nordischen Schicksalsgöttinen Urd, Verdandi und Skald, die die Fäden des menschlichen Schicksals weben. Ich habe dazu ein Bild von Arthur Rackham welches frei verfügbar ist (Wikimedia Commons) adaptiert und abgewandelt. Die Nornen sitzen an der Weltenesche Yggdrasil, unter ihnen windet sich Nidhöggr um das Wurzelgeflecht des Baumes. An einer Seite läuft Ratatöskr nach oben.

Zusätzlich habe ich noch eine schottische Bremse eingebaut, da Spindeln dazu neigen, schön lange nachzudrehen. Ich finde eine Kate sollte immer gebremst sein! Ich habe dazu die Seite des Führungsbrettchens mit Malerkrepp abgeklebt, die Punkte der Ösen markiert und danach vorsichtig kleine Löcher gebohrt. Das Malerkrepp deshalb, weil es ein Splittern des Holzes verhindert. Danach die Haken sehr vorsichtig eindrehen. In den ertsten Haken eine Feder einhängen, diese mit dem Bremsfaden verbinden. Aus einem kleinen Griff und einem Stück passendem Rundholz habe ich mir den Bremsgriff gemacht. Quer zum Rundholz beim Griffstück ebenfalls ein kleines Loch bohren, auch hier darauf achten dass das Holz nicht splittert. Hier das andere Ende des Bremsfadens verknoten. Das Rundholz ist so gewählt, dass es gut in die Löcher der Kate passt. So ist es je nach Gusto einfach zu positionieren.

Lazy Kate mit Bremse und Brandmalerei. 
Linke Seite der Bremse.
Rechte Seite der Bremse.
Die drei verzierten Teile der Lazy Kate.
Ratatöskr.

April 28, 2015

Spindel-Tuning


Letzte Woche kam endlich meine heiß ersehnte Lieferung einiger Matthes-Spindeln an, die ich mir bereits im Februar bestellt hatte. Neben einer Spindel-Lazy Kate, die ich nur noch verzieren muss, habe ich mir eine Russian mit Metallspitze und Schälchen, eine Akha, eine French und eine Spool-Spindel mit zweiter Spule gegönnt. Als Draufgabe gab es noch eine zweite Russian, ebenfalls mit Messingspitze.

Am Wochenende konnte ich schon ein wenig damit herumprobieren, jedoch gab es noch etwas Optimierungsbedarf, den ich hier genauer beschreiben werde.

Die russischen Patienten
Im Vergleich zu meinen anderen Supported Spindeln die ich habe (und auch zu der Russian von Matthes vom letzten Jahr) waren mir die Spitzen dieser beiden Spindeln zu wenig ausgeformt. Gut sieht man auf folgenden Vergleichsbildern:

Links oben: Michael Williams, rechts oben: Malcolm Fielding
unten: Matthes

Da beim Spinnen mit einer Supported Spindel der Faden über die Spitze springen muss, um den entsprechenden Drall zu erzeugen, sollte die Spitze auch möglichst fein sein. Die Williams-Spindel ist jetzt optisch nicht eine meiner schönsten Spindeln, vom arbeitstechnischen Standpunkt aber neben meiner tibetischen von IST Craft aber die beste die ich habe.

Dieses kleine Manko lässt sich auch ohne viel Materialaufwand und Fachwissen einfach lösen. Man benötigt dazu nur Schleifpapier in verschiedenen Körnungen von gröber bis fein, Holzwachs und Geduld. Ein Wort zum Schleifpapier: man sollte es, auch wenn es mühsam ist, nicht zu grob wählen. Ich beginne meistens mit einem 280er und arbeite mich dann langsam bis etwa 800 vor. Ist das Holz weicher, dann beginnt man gleich mit einer feineren Stufe. Man schleift gleichmäßig bis zur Mitte des Schaftes und übt gegen die Spitze hin etwas mehr Druck aus, um dort mehr Material abzutragen. Wichtig ist es, die Spindel kontinuierlich zu drehen und von allen Seiten gleichmäßig zu bearbeiten. Zwischendurch immer wieder kontrollieren! Nach und nach das feinere Schleifpapier verwenden. Zum Abschluss die ganze Spindel mit einem Lappen und Holzwachs behandeln. So stellt man sicher dass es keine Übergänge zwischen unbearbeitetem und bearbeiteten Teil der Spindel gibt.

Das Ergebnis im Vergleich:

Oben: Matthes-Spindel in Riegelahorn; links vorher, rechts nachher
Unten: Matthes-Spindel in Walnuss; links vorher, rechts nachher



Die Akha-Patientin
Matthes machen – im Gegensatz zu anderen Herstellern – ausgeprochen schöne Akha-Spindeln. Da ich noch keine Akha in meiner Sammlung hatte war es naheliegend mir eine fertigen zu lassen. Beim ersten Probelauf stellte ich jedoch fest, dass die Spindel relativ bald nach dem andrehen begann zu präzessieren. Die Ursache war schnell gefunden. Der ausgefräste Haken am oberen Ende ging nicht bis zur Mitte des Schaftes. Dadurch begann die Spindel nach kurzer Zeit von der Rotationsachse wegzukippen und zu "wobbeln". Das selbe passiert, wenn bei einer normalen Fallspindel der Haken verbogen ist und somit der Faden nicht exakt in der Mitte der Achse verläuft. Was bei einem solchen Fall mit einer Zange schnell behoben ist, braucht bei der Akha – da der Haken aus dem Holz gefräst ist – etwas mehr Aufwand. Und wenn möglich, einen Dremel oder ein ähnliches Gerät.

Akha-Spitze im Lieferzustand.
Deutlich ist zu sehen, dass die Nut nicht bis zur Spitzenmitte verläuft.

Man sucht sich eine runde Frässpitze die etwas kleiner als die Nut ist und beginnt vorsichtig, diese bis zur Spitze hin zu verlängern. Hat man eine Rille, so kann man die Nut solange vertiefen, bis man in der Mitte der Achse angelangt ist. Immer wieder kontrollieren und auch einen Faden durchziehen und die Spindel hängen lassen um zu sehen wie weit man schon gekommen ist. Danach mit einem Schleiftool glätten und den Schaft (bei der Akha lässt sich der Wirtel entfernen) mit Holzwachs behandeln.

Die Nut nach der Überarbeitung.

Vergleich von oben gesehen: links vorher, rechts nachher.

Oben: Fadenverlauf vor der Bearbeitung, unten nach der Bearbeitung.
Deutlich ist hier der neue Fadenverlauf zu sehen.



Die Französin
Relativ kurzfristig habe ich noch eine französische Spindel bestellt, wobei ich noch nicht weiss, ob ich mit dieser zurechtkomme. Französische Spindeln sind ja noch einmal ein ganz eigenes Thema. Auch hier gab es ein wenig zu feilen.

Die Spitze der Französin im Lieferzustand.
Deutlich ist zu sehen, dass die typische Wendel nicht ganz bis zur Spitze läuft.

Bei der Französin war die typische Spirale, in der der Faden laufen soll, nicht ganz bis zur Spitze ausgeformt, was aber technisch auf der Drechselbank auch nicht einfach machbar ist, da die Gefahr zu groß ist, die Spitze abzubrechen. Betrachtet man historische französische Spindeln die keine Metallspitze besitzen, so sind die Spitzen meist ausgebrochen, was auch darauf zurückzuführen ist, dass dies der delikateste Teil der Spindel ist.

Die Spitze nach der Bearbeitung.
Die Spirale ist bis zur Mitte des Schaftes weitergeführt.

Auch hier hilft Onkel Dremel weiter. Wie bei der Akha wird auch hier mit einem Fräsaufsatz welcher etwas kleiner ist als die Spirale, die Nut im entsprechenden Winkel weitergezogen, und zwar so lange, bis die Mitte des Schaftes erreicht ist. Danach mit einem Schleiftool nacharbeiten und glätten. Zuletzt die Spindel wachsen.

Direkter Vergleich: oben Lieferzustand, unten überarbeitete Spitze.

Ich hoffe diese Tipps helfen euch, falls ihr auch eure Spindeln – egal von welchem Hersteller – tunen wollt.