August 30, 2015

Färberpflanzen: Waid

Gestern habe ich meinen Färberwaid (Isatis tinctoria) geerntet. Da von den etwa 20 Pflanzen die ich im Frühling vorgezogen hatte, nur drei den Angriff der Nacktschnecken überlebt hatten, war die Ausbeute eher mager. Ich habe die Blätter nicht von der Wurzel gestochen wie früher üblich, sondern einfach abgeschnitten. Vielleicht schaffe ich bis Ende September, Anfang Oktober noch eine zweite Ernte.

Da ich nicht gleich färben und sowieso das Verfahren der Waidkugeln austesten wollte, habe ich die Erde von den Waidblättern abgewaschen und sie danach in etwa 3 cm lange Stücke geschnitten. Danach kamen die Blätter in den Mörser und wurden zu „Waidpesto“ verarbeitet. Da der Waid sehr faserig ist, ging das relativ schwierig. Man sollte aber davon absehen, die Blätter einfach in die Küchenmaschine zu packen da dadurch die Fasern zu kurz gehackt werden und dann die Waidkugel nicht mehr zusammenhält. Ich habe den Granitmörser benutzt da ich in der Wohnung keine andere Möglichkeit habe. Da der Stein weder Inhaltsstoffe noch Gerüche annimmt ist er für diesen Zweck gut geeignet.

Danach habe ich die Waidpampe in einen alten Nylonvorhang gepackt und in einem Sieb den grünen Pflanzensaft ablaufen lassen. Noch besser geht es, wenn man das Nylontuch ganz fest auspresst, ähnlich wie man den Stärkesaft aus geraspelten Kartoffeln presst wenn man rohe Knödel macht. Es soll möglichst viel des chlorophyllhaltigen Saftes aus dem Waid gepresst werden. Danach nimmt man die Kugel und drückt sie noch fest in Form. Jetzt muß sie an einem luftigen Ort trocken. Im Moment liegt sie noch im Schatten auf meinem Balkon. Ich presse sie von Zeit zu Zeit zusammen, weil sich durch das Trocknen Risse bilden können und durch das neuerliche Pressen die Feuchtigkeit von innen nach außen gelangt. Sie muss gut durchtrocknen damit sie nicht beginnt zu schimmeln.

Die gewaschenen Waidblätter …

… werden grob vorgeschnitten …

… möglichst fein zermörsert …

… in ein altes Tuch gegeben …

… sehr fest ausgepresst …

… und zur Waidkugel geformt.

August 27, 2015

Jenkins Nr. 4: Finch

Wieder ist meine Jenkins-Sammlung um eine Spindel gewachsen. Diesmal hatte ich das Glück, eine Finch zu erwischen. Die Finch ist etwas größer als die Kuchulu und vom Formfaktor her in der Reihe der Aegan angesiedelt (Finch – Aegan – Egret). Sie ist trotzdem leichter als die Kuchulu, was aber auch am verwendeten Holz liegt. Die Arme sind nicht so stark gebogen wie bei den Spindeln der anderen Reihe (Kuchulu – Delight – Lark/Jay – Swan). Ich finde die Spindeln mit den geraderen Armen lassen sich besser Spinnen als wenn sie stärker gebogen sind. Aber das ist warscheinlich Geschmackssache. Ich werde mir deshalb keine Delight und Swan zulegen sondern mir nur noch eine Egret kaufen.

Modell: Finch (Nr. F165/2015)
Holz: Bolivian Rosewood (Morado)
Spannweite: 84 mm
Gewicht: 0.35 oz, 10 g


August 23, 2015

Fields of Gold

Die letzten paar Wochen habe ich – bedingt durch die große Hitze – nicht sehr viel gesponnen. Zur Zeit arbeite ich gerade an einem Regenbogen-Kammzug, der ein Fraktalgarn werden soll. Die erste Hälfte ist geschafft, die zweite Hälfte fange ich gerade an. Fotos vom fertigen Garn gibt es dann etwas später, der Spinnprozess an sich ist ja nicht so spannend.

Viel interessanter war mein Färbeausflug dieses Wochenende. Ganz in meiner Nähe ist ein Brachgrundstück (eine „G’stätten“ wie man es auch hierzulande nennt), auf der sich Massen von Kanadischer Goldrute ausgebreitet haben. Und da man ja Neophyten sowieso eindämmen sollte, bin ich am Samstag mit Ikea-Tüte und Schere dort einmal durchgelaufen und habe geerntet.

Da das Ganze außerdem an dem einen Wochenende zu erledigen war, mußte ich meine Fasern und Stoffe auch noch Beizen. Da ich alle nötigen Inhaltsstoffe zuhause hatte, habe ich mich diesmal an die Kaltbeize nach J. Harboth gewagt, was für Seide ja sowieso besser ist als eine reine Alaunbeize die heiß anzuwenden ist. Ich habe dann neben einigen Stücken Baumwolle und Leinenresten zum probieren etwas Finnwolle, Rosenfaser, Tussahseide und Milchseide über Nacht gebeizt.

Gleichzeitig habe ich die Goldrutenblüten grob gehackt und in etwa 10 L Wasser über Nacht vorgeweicht. Am nächsten Morgen kamen sie in den Einkochtopf und wurden 2 Stunden lang ausgekocht. Währenddessen habe ich meine Fasern und Stoffe der Beize entnommen, gespült und ausgedrückt bereitgestellt.

Nachdem die Flotte fertig gekocht war, habe ich die Pflanzenteile entfernt (ich koche das Zeug immer in einem alten Nylonsack, genäht aus einem Vorhang), mit etwas Regenwasser aufgefüllt und gewartet bis die Flotte nicht heißer als 50 °C war. Dann kamen die ausgedrückten Fasern in die Flotte und wurden eine Stunde bei gleichbleibender Temperatur gefärbt. Danach habe ich sie in ebenfalls warmes Wasser dem ich einen guten Schuss Essig beigegeben habe, gespült und dort abkühlen lassen.

Die Finnwolle war eher enttäuschend, die Rosenfaser erwartungsgemäß (da ja pflanzlich) eher schwach in der Färbung. Die Tussahseide  wurde richtig schön zitronengelb und die Milchseide hat die Farbe am besten aufgenommen und bekam ein schönes sattes hellgelb.

Als zweiten Zug habe ich einige Stücke Baumwolle und ein paar Teststreifen Leinen in die Flotte gegeben und diese eine Stunde bei 100 °C gekocht. Danach habe ich diese ebenfalls in Essigwasser gespült.

Als Test habe ich dann noch ein wenig Eisensulfat in die Flotte gegeben und ein Stück Baumwolle, auf dem ich vor zwei Wochen meinen ersten Ecoprint versucht habe (noch mit reiner Alaunbeize), nachbehandelt. Es hat stark nachgedunkelt und die zuvor relativ blassen Blattabdrücke kamen schön zum Vorschein. Zwei der Leinenstücke habe ich ebenfalls noch in die Eisensulfatflotte gegeben, diese dunkelten ab wobei das zarte Gelb mehr in Richtung zarte Olivgrün nachentwickelte.

Demnächst werden wieder Schilfblüten gesammelt. Diese hatte ich schon vor etwa zwei Jahren zum Färben verwenden und wenn auch die Flotte nicht danach aussieht, erhalten die damit gefärbten Fasern ein helles, zartes Grün.

Von links nach rechts :
Finnische Wolle, Rosenfaser, Tussahseide, Milchseide

Von links nach rechts:
Baumwolle weiß, Baumwolle natur überfärbter zu blasser Ecoprint,
Baumwolle natur abgebunden und mit Eisensulfat nachbehandelt,
Ecoprint mit Eisensulfat nachbehandelt.