April 28, 2015

Spindel-Tuning


Letzte Woche kam endlich meine heiß ersehnte Lieferung einiger Matthes-Spindeln an, die ich mir bereits im Februar bestellt hatte. Neben einer Spindel-Lazy Kate, die ich nur noch verzieren muss, habe ich mir eine Russian mit Metallspitze und Schälchen, eine Akha, eine French und eine Spool-Spindel mit zweiter Spule gegönnt. Als Draufgabe gab es noch eine zweite Russian, ebenfalls mit Messingspitze.

Am Wochenende konnte ich schon ein wenig damit herumprobieren, jedoch gab es noch etwas Optimierungsbedarf, den ich hier genauer beschreiben werde.

Die russischen Patienten
Im Vergleich zu meinen anderen Supported Spindeln die ich habe (und auch zu der Russian von Matthes vom letzten Jahr) waren mir die Spitzen dieser beiden Spindeln zu wenig ausgeformt. Gut sieht man auf folgenden Vergleichsbildern:

Links oben: Michael Williams, rechts oben: Malcolm Fielding
unten: Matthes

Da beim Spinnen mit einer Supported Spindel der Faden über die Spitze springen muss, um den entsprechenden Drall zu erzeugen, sollte die Spitze auch möglichst fein sein. Die Williams-Spindel ist jetzt optisch nicht eine meiner schönsten Spindeln, vom arbeitstechnischen Standpunkt aber neben meiner tibetischen von IST Craft aber die beste die ich habe.

Dieses kleine Manko lässt sich auch ohne viel Materialaufwand und Fachwissen einfach lösen. Man benötigt dazu nur Schleifpapier in verschiedenen Körnungen von gröber bis fein, Holzwachs und Geduld. Ein Wort zum Schleifpapier: man sollte es, auch wenn es mühsam ist, nicht zu grob wählen. Ich beginne meistens mit einem 280er und arbeite mich dann langsam bis etwa 800 vor. Ist das Holz weicher, dann beginnt man gleich mit einer feineren Stufe. Man schleift gleichmäßig bis zur Mitte des Schaftes und übt gegen die Spitze hin etwas mehr Druck aus, um dort mehr Material abzutragen. Wichtig ist es, die Spindel kontinuierlich zu drehen und von allen Seiten gleichmäßig zu bearbeiten. Zwischendurch immer wieder kontrollieren! Nach und nach das feinere Schleifpapier verwenden. Zum Abschluss die ganze Spindel mit einem Lappen und Holzwachs behandeln. So stellt man sicher dass es keine Übergänge zwischen unbearbeitetem und bearbeiteten Teil der Spindel gibt.

Das Ergebnis im Vergleich:

Oben: Matthes-Spindel in Riegelahorn; links vorher, rechts nachher
Unten: Matthes-Spindel in Walnuss; links vorher, rechts nachher



Die Akha-Patientin
Matthes machen – im Gegensatz zu anderen Herstellern – ausgeprochen schöne Akha-Spindeln. Da ich noch keine Akha in meiner Sammlung hatte war es naheliegend mir eine fertigen zu lassen. Beim ersten Probelauf stellte ich jedoch fest, dass die Spindel relativ bald nach dem andrehen begann zu präzessieren. Die Ursache war schnell gefunden. Der ausgefräste Haken am oberen Ende ging nicht bis zur Mitte des Schaftes. Dadurch begann die Spindel nach kurzer Zeit von der Rotationsachse wegzukippen und zu "wobbeln". Das selbe passiert, wenn bei einer normalen Fallspindel der Haken verbogen ist und somit der Faden nicht exakt in der Mitte der Achse verläuft. Was bei einem solchen Fall mit einer Zange schnell behoben ist, braucht bei der Akha – da der Haken aus dem Holz gefräst ist – etwas mehr Aufwand. Und wenn möglich, einen Dremel oder ein ähnliches Gerät.

Akha-Spitze im Lieferzustand.
Deutlich ist zu sehen, dass die Nut nicht bis zur Spitzenmitte verläuft.

Man sucht sich eine runde Frässpitze die etwas kleiner als die Nut ist und beginnt vorsichtig, diese bis zur Spitze hin zu verlängern. Hat man eine Rille, so kann man die Nut solange vertiefen, bis man in der Mitte der Achse angelangt ist. Immer wieder kontrollieren und auch einen Faden durchziehen und die Spindel hängen lassen um zu sehen wie weit man schon gekommen ist. Danach mit einem Schleiftool glätten und den Schaft (bei der Akha lässt sich der Wirtel entfernen) mit Holzwachs behandeln.

Die Nut nach der Überarbeitung.

Vergleich von oben gesehen: links vorher, rechts nachher.

Oben: Fadenverlauf vor der Bearbeitung, unten nach der Bearbeitung.
Deutlich ist hier der neue Fadenverlauf zu sehen.



Die Französin
Relativ kurzfristig habe ich noch eine französische Spindel bestellt, wobei ich noch nicht weiss, ob ich mit dieser zurechtkomme. Französische Spindeln sind ja noch einmal ein ganz eigenes Thema. Auch hier gab es ein wenig zu feilen.

Die Spitze der Französin im Lieferzustand.
Deutlich ist zu sehen, dass die typische Wendel nicht ganz bis zur Spitze läuft.

Bei der Französin war die typische Spirale, in der der Faden laufen soll, nicht ganz bis zur Spitze ausgeformt, was aber technisch auf der Drechselbank auch nicht einfach machbar ist, da die Gefahr zu groß ist, die Spitze abzubrechen. Betrachtet man historische französische Spindeln die keine Metallspitze besitzen, so sind die Spitzen meist ausgebrochen, was auch darauf zurückzuführen ist, dass dies der delikateste Teil der Spindel ist.

Die Spitze nach der Bearbeitung.
Die Spirale ist bis zur Mitte des Schaftes weitergeführt.

Auch hier hilft Onkel Dremel weiter. Wie bei der Akha wird auch hier mit einem Fräsaufsatz welcher etwas kleiner ist als die Spirale, die Nut im entsprechenden Winkel weitergezogen, und zwar so lange, bis die Mitte des Schaftes erreicht ist. Danach mit einem Schleiftool nacharbeiten und glätten. Zuletzt die Spindel wachsen.

Direkter Vergleich: oben Lieferzustand, unten überarbeitete Spitze.

Ich hoffe diese Tipps helfen euch, falls ihr auch eure Spindeln – egal von welchem Hersteller – tunen wollt.