August 28, 2014

Fierrabras oder Die Ritter der Kokosnuss


Der zarte Silberfaden rinnt emsig durch die Hand;
Erst glänzt er im Gewebe, und dann im Festgewand.

Sobald der Säugling grüßet das Licht, das ihn belebt,
Die Hülle ihn umfließet, von Spinnerhand gewebt.
Am Tag der höchsten Freude, am frohen Hochzeitstag,
Formt sich zum Feierkleide, was Spinnerhand vermag.
[...]
Der zarte Silberfaden rinnt emsig durch die Hand,
Wer weiß, ob er nicht dienet dereinst zum Trauerpfand.
Franz Kupelwieser, „Fierrabras“; 1. Akt, 1. Szene


So beginnt Franz Schuberts Oper „Fierrabras“ die bei den diesjährigen Salzburger Festspielen gezeigt wurde. Nicht nur eine Premiere im eigentlichen Sinn, sondern auch die erste Aufführung einer Schubert-Oper bei den Festspielen überhaupt.

Ein paar Wochen zuvor wurde ich von den Festspielen kontaktiert, ob ich nicht ein paar Damen des Staatsopernchores das Spinnen beibringen könne, da die Anfangsszene der Oper in einer Spinnstube angesiedelt ist. Ich sagte zu. Auch traf ich mich mit den Ausstattern der Oper, um mir bei den organisierten Spinnrädern die technischen Gegebenheiten anzusehen und zu zeigen, worauf es beim Betrieb eines Spinnrades ankommt. Da die Räder eher in den Bereich „Deko-Rad“ einzuordnen waren, einigten wir uns darauf, das Spinnen nur zu simulieren, da es ansonsten für die Damen viel zu mühsam gewesen wäre, gleichzeitig zu treten, zu spinnen und zu singen (und auf den Dirigenten zu achten). Ich zeigte ihnen also das richtige Treten sowie die Bewegungen der Hand beim Spinnen. Denn letztendlich ist doch alles nur Theater – und da spielt es keine Rolle, dass es zur Zeit Karl des Großen hierzulande noch nicht einmal Spinnräder gab (die kamen erst im 11. Jahrhundert über die Mauren [sic!] in den europäischen Raum).

Nachdem ich dann schon einer Probe beiwohnen durfte, hatte ich gestern noch die Gelegenheit, mich bei der letzten Vorstellung nochmals mit dem Stoff der Oper auseinanderzusetzen. Schon bei der Probe konnte ich mir ein innerliches Grinsen nicht verkneifen, und das verstärkte sich noch, nachdem ich einige der Kritiken gelesen hatte – ich sollte Opernkritikerin werden, denn die Argumente der einzelnen Blätter konnte ich mehr als gut nachvollziehen.

Drehpunkt Kultur spricht von „Vorsätzlichem Mord an einer Opern-Leiche“ durch Regisseur Peter Stein, orf.at titelt „In der Kapelle duselt das Gefühl“ und Die Presse unterstellt dem Regisseur gar den „Tatbestand unterlassener Hilfeleistung“. Die Kleine Zeitung nennt die Inszenierung der Oper stocksteifes, statisches Musiktheater aus der „Stein“-Zeit. Und de Kurier wünscht sich „die Monty-Python-Truppe, die das (langweiliges Steh- und lächerliches Säbel-Theater) wegfegt und Tempo sowie Witz reinbringt“. Die einzelnen Artikel bringen den Kern der Sache sehr gut zum Ausdruck. Natürlich ist bei Oper ein gewisses Overacting Teil des guten Tones, aber gerade dann, wenn die Tochter des Maurenfürsten am Turm den Ausfall ihres Geliebten beobachtet und anstatt „Oh Allah!“ lieber „Ihr Götter“ ruft, ists mit der Ernsthaftigkeit ganz vorbei. Und gäbe es die verzwickte Doppel-Love-Story nicht, dann könnte man immer noch auf die Bromance zwischen Roland und Fierrabras zurückgreifen.
Das Ensemble selbst ist gesanglich wunderbar, wenngleich hier und da einige Schwächen zu hören sind, die aber im Hintergrund bleiben.
So grafisch schön ich die Bühnenbilder finde, so anstrengend sind die stark vergrößerten Stiche nach einiger Zeit anzusehen und man muss darauf achten, nicht das große Flimmern vor den Augen zu bekommen. Die Kostüme der hehren Ritterschar haben mich allerdings von Anfang an an die Ritter der Kokosnuss erinnert. Gestrickte, mit Silberfarbe übertünchte „Kettenhemden“ denen man sogar noch in der 9. Reihe die kraus-rechten Reihen ansieht. Kartonartige Rüstungsteile ohne die geringsten Schrammen und Dellen des gerade stattgefundenen Kampfes. Stereotype Maurenkrieger mit grimmigen Gesichtern, Pluderhosen und Krummschwertern. Vielleicht bin ich durch diverse Emmy-gekrönte TV-Serien in dieser Hinsicht etwas anspruchsvoll, aber da ich die Werkstätten der Royal Shakespeare Company kenne weiss ich, dass es auch am Theater noch viele andere Möglichkeiten gibt.

Ein Bild der Spinnszene gibt es übrigens auf der Kulturseite des Tagesspiegels zu sehen und wer sich die Oper ansehen möchte, kann das am 4. Oktober auf 3sat nachholen.






August 27, 2014

Ravelry-Bilder

Ich habe am Wochenende die freie Zeit genutzt, um ein paar Bilder für meinen Ravelry-Stash zu fotografieren. Hier ein paar meiner bunteren Garne:
Angora/Seidenmischung von Lana-Lux, mit weißem Alpaca verzwirnt

Ein selbstgefärbter Kammzug und zwar dieser hier.

Ein Geschenke-Kammzug von Tulipan.

August 17, 2014

Von der Spule gehüpft ...

... ist mir dieses Wochenende die Tauschwolle, die ich von shadow bekommen habe. Ich hatte ihr ein paar gefärbte Hankies und Kokons zum Probieren geschickt und sie hat sich mit einem wunderschön weichen Verlaufskammzug bedankt. Ich habe ihn längs viermal geteilt,  gesponnen und danach wieder vierfach verzwirnt.

Gestern habe ich angefangen, die wunderbare Milchseide von Regina anzuspinnen die ich beim letzten Spinntreffen in Fieberbrunn von ihr bekommen habe. Sie ist mit Zwiebel und danach mit Indigo überfärbt. Ich werde sie so fein wie ich kann spinnen und dann voraussichtlich dreifach verzwirnen.

Demnächst gibt es auch noch ein Familienfoto der Spinnräder, inzwischen ist meine Herde ja auf drei Stück angewachsen. Ich warte ja immer noch auf meine Anna von Tom Walther. Bestellt habe ich sie im April letzten Jahres, damals hiess es dass die Wartezeit 18 Monate beträgt. Warscheinlich wird es aber doch noch etwas dauern ...

Das Verlaufsgarn von Shadow

Milchseide (Milchproteinfaser) mit Zwiebel und Indigo gefärbt


August 15, 2014

Der Herbst kommt!

Ich bin ja gerne in der Natur, und wenn der Waldspaziergang noch den Nebennutzen leckerer Zutaten hat, dann ist das Ganze gleich eine doppelte Freude. Vor ein paar Wochen war Himbeerzeit, da war die Ausbeute dieses Jahr wirklich gut, jetzt werden die Brombeeren reif, der Holunder wird auch schon schwarz und durch die heurige Witterung gibt es endlich auch mal wieder Pilze. Auch Haselnüsse sind dieses Jahr viele auf den Sträuchern, nur sind da meistens die Eichhörnchen die Nutznießer und auch schneller bei der Nuss. Die Dirndln (Kornelkirschen) brauchen noch ein paar Wochen. Ich habe auch schon einige Schlehensträucher ausgemacht, ob sich da etwas für Schlehenlikör ergibt wird sich erst zeigen. Einerseits müssen die Schlehen Frost abbekommen, andererseits sind die Vögel meistens schneller. Auch Hagbutten sind viele an den Wildrosen, nur leider haben die Rosen viel Rosenrost sodass sich die Früchte wohl nicht verarbeiten lassen.

Waldhimbeeren ...

... und Steinpilze